WEINTRAUBS JAZZ ODYSSEE.

Die Legende einer Showband, erzählt von Eva Blum und Matthias Witting (Text).

Uraufführung 29.11. 2007

Eine Band so legendär wie die „Comedian Harmonists“. Sie spielten Jazz und Swing und jede andere erdenkliche Musik, wenn sie nur gut in die Beine und ins Herz ging. Jeder der Musiker ein Multitalent auf zahlreichen Instrumenten, ihre Auftritte waren spektakulär. Als Showband Berlins der 20er Jahre spielten sie in den Revuen von Friedrich Hollaender, in Filmen mit Marlene Dietrich und anderen. Wie kommt es, dass die „Weintraubs Syncopators[1]“ heute kaum noch jemand kennt?

[1] „Weintraubs Syncopators“

Sie war die Showband jener Zeit, denn sie inszenierte ihre Auftritte wie Theater. Ihre musikalische und stilistische Vielseitigkeit war das Eine. Dass alle Bandmitglieder eine Vielzahl von Instrumenten beherrschte, das andere. Die Musiker wechselten gern innerhalb eines Titels ihre Instrumente, sie imitierten Tierstimmen und sie imitierten andere Instrumente, ungewöhnlichen Gerätschaften wurde Musik entlockt und die Disziplin des artistischen Musizierens erfunden. Bald waren sie gefragt für die großen Shows und Revuen vor allem Friedrich Hollaenders, bald als Band für schließlich über zwanzig Spielfilme, u.a. in „Der blaue Engel“ mit Marlene Dietrich, von den vielen Schallplattenaufnahmen ganz zu schweigen.

Als die Band 1933 nicht mehr in das faschistische Deutschland zurückkehrt – alle ihre Mitglieder sind jüdischer Abstammung, beginnt eine abenteuerliche Odyssee, zunächst als Tournee durch Frankreich, Italien, Schweden, Norwegen, mit längeren Aufenthalten in der Sowjetunion und in Japan… Schließlich versuchen die „Weintraubs“ nach einem äußerst erfolgreichen und lukrativen Gastspiel, in Australien eine neue Heimat aufzubauen, ohne jedoch eine Arbeitserlaubnis als Musiker zu bekommen. So traten sie weiter (mit großem Erfolg) als Hobbymusiker auf, wurden aber heftig von der Musikergewerkschaft bekämpft, schließlich denunziert und sogar interniert.

Nach seiner Entlassung 1941 versuchte „Steps“ (Stefan Weintraub) ein letztes Mal, seiner Band ihren Erfolg zurückzuerobern. Vergeblich. Dank der Musikergewerkschaft wurden „Weintraubs Syncopators“ mit einem Aufführungsverbot belegt. Das war das Ende. Wer kennt sie heute noch? „Weintraubs Syncopators“?

Mit einem Team von Künstlern haben wir uns auf die Spuren dieser verschütteten Legende gemacht und sind – vom Berliner „Wintergarten“ bis zu australischen Tonstudios – auf Etappen einer einzigartigen Jazz-Odyssee gestoßen. Das, was es noch zu erfahren gab, haben wir verdichtet und musikalisch re-konstruiert – für eine kleine musikalisch-theatralische Visitenkarte, mit der wir dem so zu Unrecht vergessenen Stefan (Steps) Weintraub und seiner Band zurückgeben wollen, was ihnen so lange fehlte: eine Bühne.
Mit freundlicher Unterstützung durch die „Stiftung Zukunft Berlin“.

Musikalische Arrangements: Andreas Unsicker
Inszenierung: Ulrike Gärtner
Musikalische Leitung: Hans-Peter Kirchberg / Alexander Klein
Choreographie: Sommer Ulrickson
Ausstattung: Wiebke Horn
Dramaturgie: Bernhard Glocksin
Mit: Jan-Geerd Buss, René Döring, Kirstin Hasselmann, Karolina Kubiak, Jaron Löwenberg, Monika Maria Ullemeyer und den Musikern Rambald Bellmann, Paul Brody, Gregor DuBuclet, Wlady Ginzburg, Hans-Peter Kirchberg, Alexander Klein, Nikolaus Neuser, Michael Rowalska, Thomas Schmidt und Jörg Vollerthun

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