REFERENTINNEN. GESCHICHTEN AUS DER ZWEITEN REIHE.

Von Matthias Rebstock, Tilman Rammstedt und Knut Jensen .mit dem Ensemble leitundlause.

Uraufführung 28. August 2008
Deutschland unter Apfelblüten: die Regierung trifft sich zur Klausursitzung im Garten von Schloss Genshagen – oder Neuhardenberg oder Meseberg. Die Presse ist geladen. Man demonstriert Harmonie und Entspannung, doch tatsächlich geht es um die Macht: Fehler wurden begangen, politische „Konsequenzen“ müssen gezogen werden, Köpfe werden rollen – nur welche?
Im Zentrum des Abends steht das betriebsam-lautlose Wirken der Referentinnen unserer Mandatsträger. Unter Hochdruck haben sie eine Lösung zu finden, damit „Verantwortung übernommen“, Schuld getilgt und Politik wieder reibungsfrei möglich wird.

Während also die Politiker draußen im Garten tagen, entfalten die acht Referentinnen von leitundlause unter rasendem Zeitdruck ihre vielfältigen Talente: charmant und hoch motiviert, intelligent, einfühlsam, eigenständig und teamfähig, sondieren sie Kompromissmöglichkeiten und Strategien, schlüpfen mitunter in die Rollen ihrer Vorgesetzten und deren Gegner, träumen von der ganz großen Karriere oder auch vom Rückzug aufs Land und dem Ausstieg aus dem ‚Jammertal’ politischer Verfehlungen.
Die Musik greift diese barocke Spannung zwischen Prunk der Macht und Jenseitssehnsucht auf und spannt von hier aus einen weiten Bogen, von barocken Passionsmusiken über die melancholische Ausgelassenheit von Balkanmusik bis hin zu neu und schräg arrangierten Songs.
Nach Geschichten aus dem Plänterwald bringen das Ensemble leitundlause und die Neuköllner Oper erneut ein bundesrepublikanisches Märchen auf die Bühne, das diesmal die Frage nach der politischen Verantwortung und der demokratischen Kultur des Rücktritts unter die musiktheatrale Lupe nimmt. Das Projekt wird gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds.
Text: Tilman Rammstedt und Matthias Rebstock; Musik: Knut Jensen; Inszenierung: Matthias Rebstock; Bühne: Sabine Hilscher, David Reuter, Sabine Beyerle; Kostüm: Sabine Hilscher; Projektionen: David Reuter, Sabine Beyerle; Dramaturgie: Bernhard Glocksin

Mit: Robert Gutowski, Sabine Hilscher, Irmtraud Horstkotte, Astrid Kessler, Deborah Klein, Ursula Renneke, Bärbel Schwarz, Lydia Starkulla, Janni Struzyk, Mariel Jana Supka, Steffen Zimmer

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