ORLANDO.

Oper von Georg Friedrich Händel, neu gefasst von Wolfgang Böhmer und Rainer Holzapfel.
Uraufführung 28.09. 2006

 

Was macht man mit einem Vater, der ständig nach der Schule fragt, sich ansonsten aber nur für seine Barockmusik interessiert und die Wohnung mit zwanzig Klavieren zustellt?

Was macht man mit einem kleinen Bruder, der weltfremd und kränklich das Bett hütet und einem trotzdem die tollste aller Frauen wegschnappt?

Was mit einer Cousine, die einfach umwerfend aussieht und leider auch noch in Harvard studiert?

Was mit einer Haushälterin, die nicht mehr ganz taufrisch ist, allen Männern nachläuft und wirklich nicht kochen kann?

Und was macht Orlando mit sich selbst, wenn die Rollen als Sohn, Bruder und Liebhaber nicht mehr passen? Was, wenn er doch eine Frau ist und jetzt endlich auch so leben will?

Der Regisseur Rainer Holzapfel erzählt Händels Oper Orlando als vitale Geschichte einer auseinander brechenden Familie: Während der alleinerziehende Vater diese noch durch gemeinsame Hausmusik zusammen zu halten versucht, sind die jungen Leute schon in ein Geflecht aus schulischem Leistungsdruck, pubertärer Desorientiertheit und wild wuchender Triebhaftigkeit verstrickt. Es sind die gegensätzlichen Vorstellungen von der Liebe, von Geschlechterrollen und vom Umgang mit Tradition(en), die die unterschiedlichen Generationen nicht mehr zueinander finden lassen. Die Suche nach der eigenen Identität kollidiert mit den Erwartungen der Anderen. Missverständnisse häufen sich. Gewalt wird zum probaten Mittel der Konfliktlösung.

In dieser tragischen Komödie ist die strenge Form der Barockoper Ausgangspunkt einer lustvollen Neugestaltung. Neben einer eigenen Textfassung werden auch musikalisch neue Wege beschritten – nicht zuletzt mit einem außergewöhnlichen Instrumentarium, bei welchem selbst Toypiano und Harmonium nicht fehlen.

 

Musikalische Leitung: Hans-Peter Kirchberg
Inszenierung: Rainer Holzapfel
Dramaturgie: Bernhard Glocksin
Ausstattung: Lisa Brzonkalla
Mit: Cassandra Hoffman, Susanne Langner, Eva Scheider, Peter Veit, Christophe Villa

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