MÜNCHHAUSEN – HERR DER LÜGEN.

Komische Oper von Dan Dediu (Musik) und Holger Siemann (Libretto).

Vierter Neuköllner Opernwettbewerb – gestiftet von der GASAG

Uraufführung 03.11. 2002

Die wahren Abenteuer finden im Kopf statt!
Die Jünger des Bungee-Jumping, des Mountain-Climbing oder des Paragliding können ein Lied davon singen: Ihr Hobby ist teuer, der Spaß daran flüchtig und irgendwann schlägt auch noch die Umwelt zurück. Aber das ist der Preis, den man zahlen muss, wenn es einem an Phantasie fehlt.

Münchhausen ist da anders: Er nimmt die Welt in den Kopf und formt sie dort nach seinem Bilde bis sie zu Abenteuern taugt. Doch was passiert, wenn im beginnenden Medienzeitalter aus dem Märchenerzähler ein Content-Produzent wird, wenn aus dem Schall und Hauch der einst wörtlichen Rede eine Bildergeschichte, ein Film und schließlich eine Oper werden? Was passiert, wenn aus Erdachtem ein tatsächlich existierendes Bild wird, wenn Phantasie und Wirklichkeit, Lüge und Wahrheit, Erfundenes und Tatsächliches einander ähnlich sehen und durcheinander geraten?

 

Münchhausen, der auf der Flucht vor seinen Gläubigern ist, begegnet auf einem Jahrmarkt gleich zwei Materialisierungen seiner Geschichten: Dem Münchoskop der Frau Kern und dem Münchhausen-Darsteller einer Wanderbühne. Beide werben um seine Unterstützung und er entscheidet sich für die Partei, die besser zahlt: Die Bildermaschine.
Doch nachts steigt aus seinem Unterbewusstsein das schlechte Gewissen: In Münchhausens Traum hat ein perfides Ebenbild seine ehemaligen Freunde verraten und nutzt die kunstvolle Lüge zur Propaganda für ein unmenschliches Sklavenhaltersystem. Der echte Münchhausen sieht sich gezwungen, die Wahrheit zu verteidigen um die Phantasie vor der Macht zu retten. Münchhausen wacht auf und sieht die Wirklichkeit mit anderen Augen. Doch eine andere Warnung des Alptraums hat Münchhausen nicht verstanden: Die vor der Verselbständigung der Bilder: Die Gründung einer Aktiengesellschaft, in der alle widerstreitenden Parteien an der Produktion von Geschichten vereint sind, scheint die Probleme der Protagonisten zu lösen…

 

Musikalische Leitung: Hans-Peter Kirchberg
Regie: Boris von Pose
Bühne: Marion Hauer
Kostüme: Merle Hensel
Mit: Frank Bauszus, Michael Bielefeldt, Regine Gebhardt, Michael Hoffmann und Johanna Krumin

KOMMENTARE