IndierInnen.

Grand Opéra von Holger Siemann und Giacomo Meyerbeer.

Uraufführung 09.04. 2001

Wir sitzen in bequemen Sesseln und sehen auf einen samtroten Vorhang. Leise und wellend gleitet das schwere Tuch zur Seite und gibt den Blick auf die Bühne frei. Links ragt ein marmorweißer Palast empor, wir fühlen die Kühle, die von seinen kalten Steinen ausgeht. Auf der rechten Seite ducken sich die Bambushütten eines Dorfes. Zwischen den Hütten nehmen die vierhundert Sänger und Sängerinnen eines Chores Aufstellung. Ihre Schritte scharren auf den sechzehn Quadratmetern der Studiobühne der Neuköllner Oper.
Wie diese 400 Mitwirkenden, zahlreiche weitere DarstellerInnen und ein Klavier auf die kleine Bühne passen, erfahren Sie in der Oper IndierInnen. Holger Siemann (Libretto) erzählt auf den Flügeln der überaus unterhaltsamen Musik Meyerbeers (ausgewählt von Dirk Rave) die tragische Geschichte des legendären nordostindischen Liebespaares Soraya und Mahatma:

Sie kehrt nach abgeschlossenem Informatikstudium in ihr Heimatdorf zu ihrem gelähmten Mann zurück – mißtrauisch beäugt vom Dorf-Guru, der Soraya lieber am Herd als an der Maus sähe.

Doch auch aus anderer Richtung droht dem Paar Gefahr: Mahatma schnitzte nämlich nicht nur tagaus tagein Streichhölzer, um Soraya zu unterstützen, sondern hat leichtsinnigerweise auch Schulden gemacht, die den beiden jetzt zum Verhängnis werden. Das neweconomic Ausbeuterschwein Amor von Kaufland verschachert Soraya an einen deutschen Computerexpertenjäger. Sorayas Deutschlandaufenthalt endet in einer Katastrophe, und auf der Flucht nach Indien wird sie entführt. Als es kaum noch Hoffnung für die beiden zu geben scheint, geschieht das Wunder: Mahatma kann wieder gehen. Damit wendet sich das Blatt. Aber wohin? Wird die Liebe der beiden stark genug sein, um sich gegen reaktionäre Traditionen durchzusetzen?
Ein Libretto al gusto di Giacomo Meyerbeer – grotesk und mit begrenzter Hoffnung. Die Flut der Töne aus sieben mehr als abendfüllenden Opern wird unter der musikalischen Leitung Robert Nassmachers, einem ausgewiesenen Spezialisten „Alter Musik“, radikal zu vier Stimmen und einer Klavierbegleitung verdichtet. In der Inszenierung des bekennenden Meyerbeerianers Dirk Raves und kontrastreich ausgestattet von Heide Schiffer- El Fouly ersteht eine neue Grand Opéra.

Musikalische Leitung: Robert Nassmacher
Regie: Dirk Rave
Ausstattung: Heide Schiffer-El Fouly
Mit: Frank Bauszus, Christian Grygas, Guido Hackhausen und Kathrin Unger

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