HAUTKOPF.

Tanzoper von Irina Roerig.

Text: Kristo Sagor
Musik: Winfried Radeke

Uraufführung 13.10. 2005

Tobias verachtet seinen Vater, einen Kulturpolitiker, und seine Gesellschaft .Hier scheint alles möglich – oder auch beliebig; hier findet er weder Platz noch Sinn oder gar eine Aufgabe. Eine Gruppe Skinheads und ihre Aktionen faszinieren ihn, und so sucht er den Kontakt zu ihnen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten gelingt es ihm, in die Gruppe aufgenommen zu werden, zwischen ihm und Luzina, der Anführerin der Gruppe, entsteht eine beunruhigende Nähe. Dann passiert, was passieren muss, und auch die Gesellschaft reagiert wie üblich– Appelle, Solidaritätsadressen, Betroffenheitsbekundungen etc..
Die Spirale dreht sich weiter, auf Gewalt folgt Ohnmacht und mit Sprachfloskeln kaschierte Hilflosigkeit. Was, wenn das Problem nicht der Islam, sondern der eigene Sohn ist?

Mit Irina Roerigs Tanzoper Hautkopf versucht die Neuköllner Oper eine andere Theaterform: Die Geschichte über das Versagen von Diskurs und Dialog wird in erster Linie mit den Mitteln von Bewegungschoreographie, Rhythmus und Musik erzählt. Ausgangspunkt ist die Frontstellung zweier Blöcke, die nur sehr verschiedene und sich zum Teil ausschließende Kommunikationsmittel zur Verfügung haben: Jugendliche, die den Vorteil ihrer Körperkraft auszuspielen versuchen. Demgegenüber eine Gesellschaft, deren „Stützen“ mit sozialpädagogischen Maßnahmen bzw. polizeilicher Repression antwortet – unfähig, einen wirklichen Dialog mit denen aufzunehmen, die sich dem Argument und der sprachlichen Vermittlung entziehen.
Schließlich die Frage: Was bleibt zu tun, wenn Aufklärung und Dialog nichts nützen? So entwickelt sich diese uns allen sattsam bekannte Geschichte, die auch gegenwärtig nicht enden will in ihrer beängstigenden Aktualität und tödlichen Konsequenz. Die Autoren Irina Roerig (Idee, Gesamtkonzeption, Choreographie), Kristo Sagor (Text) und Winfried Radeke (Musik) zwingen uns mit Hautkopf mitten hinein in dieses beklemmende und gleichsam fesselnde Szenario.

Gesamtkonzeption, Regie und Choreographie: Irina Roerig
Musikalische Leitung: Hans-Peter Kirchberg
Bühnen- und Kostümbild: Frank Chamier
Mit: Britta Balzer, Winnie Böwe, Markus Düllmann, Thomas Fleckenstein, Lance Hendrix, Kathleen Herzer, Michael Hoffmann, Andreas Jocksch, Eva Maurischat, Mimi Messner, Christoph Reiche, Michael Schlenger, Andreas Schwankl, Dominik Stein

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