GESUALDO.

In madrigales Spiel.

Uraufführung 07.02. 2002

Ein Leben wie aus einem düsteren Kriminalfall: hochbegabter junger Mann, der Welt eher ab- denn zugewandt, ermordet aus Eifersucht seine Frau und ihren Geliebten, entkommt knapp einem Prozess und stirbt Jahre später, gehetzt von allen Furien des Verfolgungswahns: Carlo Gesualdo di Venosa. Ein Musiker und Künstler der besonderen Art, geschätzt und gelobt von Komponisten wie Strawinsky oder Rihm ob seiner bis heute erstaunlichen Modernität in einem geradezu monolithischen Oeuvre: ebenfalls – Carlo Gesualdo.

Gesualdo beschritt in seinem Werk radikal neue Wege, schuf eine Musik, die Lichtjahre entfernt ist von edler Fadheit mancher Renaissance-Musik. Seine Kompositionen spiegeln einen in seiner Zerrissenheit monomanischen Menschen wider, der verzweifelt versuchte, sich die Welt „nach seinem Bilde“ zu inszenieren – und auf Irritationen seines Seelenzustandes mit größter Radikalität reagierte: in seinen Madrigalen, einer theatralischen Musik, durchpulst von abgründig nervösen Rhythmen, mischen sich Freud und Leid, Eros und Thanatos in schärfsten und aufregendsten Chromatiken und Dissonanzen, ergeben sich raueste Fügungen von Liebe und Zerstörung.

Carlo Gesualdo machte – für sich und andere, im Leben wie im Werk – tödlichen Ernst mit der sonst oft modischen Melancholie seiner Zeit, sprengte alle kompositorischen wie sozialen Grenzen. Und daraus entsteht in Zeiten der heutigen Egomanie die düstere Modernität Gesualdos: das Portrait eines Monomanen, der von seiner Gier der Weltinszenierung schließlich eingeholt und vernichtet wird.
Zeitlich und ästhetisch steht Gesualdo in engster Verwandschaft zu einigen der aufregendsten und bahn-brechenden Künstlern zwischen Manierismus und Frühbarock wie El Greco, Caravaggio oder Marlowe, in deren Werken größte Schönheit und schönste Grausamkeit völlig neue, bis damals ungekannte Dimensionen erreichten.

Mit der szenischen Einrichtung einer Auswahl von Madrigalen Gesualdos laden wir zu einer Reise auf die erdab-gewandte Seite eines Komponisten, für den es keinen Unterschied gab zwischen Sein und Schein, zwischen Leben – und Theater.

Musikalische Leitung: Winfried Radeke
Regie: Rudolf Danker
Ausstattung: Amparo Kuhlmann
Mit: Michael Bielefeldt, Constanze Morelle, Linda Naumann, Victor Petitjean und Bettina Ranch

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