EUphorie.

Ein Stück von Arna Aley nach dem Singspiel „Der Dorfjahrmarkt“ mit der Musik von Jiří Antonín Benda.

Uraufführung 28.10. 2004

1750. Der Böhme Benda wird Hofkapellmeister in Gotha. Seine Heimat hat er früh verlassen und die Zentren des reichen Europas aufgesucht, dort wo es Arbeit, Geld und Aufstiegschancen gibt. Ins preußische Berlin folgt er seinem Bruder Franticek, wie dieser gewinnt er hier Anstellung und Ansehen als Geiger und Komponist. In Gotha schreibt er für eine der fahrenden Schauspielensembles den Dorfjahrmarkt: die Geschichte eines bürgerlichen, von Adels- und Soldatenstand bedrohten Brautpaares, ganz im Sinne der Sturm- und Drang-Zeit und mit Arien und Duetten in jenem kunstvollen und zugleich schlichten, volkstümlichen Ton, den Mozart gerühmt und der die Entwicklung der deutschen Nationaloper beeinflusst hat.
2004. Am 1.Mai großes Fest am Brandenburger Tor – Berlin begrüßt die Neuen Beitrittsstaaten der erweiterten EU! Schließlich soll man sich kennenlernen, wenn man schon zusammengehört. Wir bitten also eine junge Litauerin, Bendas Stück zu lesen und aus ihrer Sicht neu zu erzählen – Arna Aley, die als Absolventin des renommierten Studiengangs „Szenisches Schreiben“ an der UdK Berlin seit einigen Jahren in Berlin lebt und schreibt. Sie verlegt die Geschichte vom Dorfjahrmarkt in einen größeren – den am Brandenburger Tor zum EU-Fest.
Auf dem Weg nach Europa befinden sich Martha und Lukas, die aus ihrer litauischen Heimat kommend ihr Land im Rahmen des besagten Festes vorstellen und dies mit der Hoffnung auf gute Geschäfte in eigener Sache verbinden wollen. Als sie dabei auf zwei Vertreter der westdeutschen Filmindustrie geraten, die ihrerseits auf der Suche nach unverbrauchten Darstellern einer Realitysoap sind, beginnt eine Geschichte, in der Vorurteile aller Art und von allen Seiten aufeinander prallen und an deren Ende jeder etwas gelernt hat – und sei es bloß das geschickte Spiel auf der Klaviatur längst überholter Vorurteile.

Inszenierung: Dorothea Schroeder
Musikalische Einrichtung und Akkordeon: Heiner Frauendorf
Dramaturgie: Bernhard Glocksin
Ausstattung: Telse Hand
Mit: Christian Bormann, Dieter Goffing, Dana Hoffmann, Martin Netter

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