ELTERNABEND – DAS MUSICAL.

Von Thomas Zaufke (Musik) und Peter Lund (Text).

Uraufführung 21.11. 2003

Wenn Theater zu allererst einmal Drama ist, dann ist unser neuestes Stück garantiert richtig gutes Theater; denn wo sonst wird so geliebt, gekämpft und gelitten wie auf einem Elternabend? Und wo sonst braucht es keine 120 Minuten, bis elf Rotweinflaschen geleert, eine Ehe kaputt und sechs Lebenslügen geplatzt sind?
Vier liebende Mütter, zwei überforderte Väter und einen engagierten Erzieher haben sich Thomas Zaufke und Peter Lund ausgedacht, um drei Jahre nach Babytalk einmal mehr alle tragikomischen Aspekte der Menschwerdung musikalisch zu beleuchten.

Und derer gibt es viele; ob Irene mit einer ergreifenden Ballade alle Friedenauer Klettergerüste kordelsicher machen möchte, ob Vera eine flotte Step-Hymne auf das Wundermittel Ritalin singt oder ob Erzieher Dennis den Rest der Truppe mit Xylophon und musikalischer Früherziehung quält; mit jeder Erziehungsmethode und jedem Lied ist es unserem Bühnenpersonal bitter ernst: und damit für das Publikum zum Sterben komisch.

Aber auch, dass Lachen und Weinen nah beieinander liegen, ist bei diesem Stoff garantiert; denn wo sonst wird aus einem fröhlichen Liedchen so schnell ein bitterböser Auszählvers wie auf dem Schulhof? Und so kommt das Publikum ziemlich schnell dahinter, dass die lieben Kleinen, von denen da die Rede ist, gar nicht so lieb sind, wie die jeweiligen Eltern ihre Sprösslinge gerne hätten.
Und klein auch nicht unbedingt. Denn unsere Darsteller lassen es sich selbstverständlich nicht nehmen, ihren jeweiligen Nachwuchs auf der Bühne selbst zu spielen; garantiert die lauteste Kinderhorde, die seit Max und Milli über eine Berliner Bühne getobt ist. Bloß vielleicht nicht ganz so freundlich.

Auf dass diese musikalische und schauspielerische Tour de Force in guten Händen ist, haben wir ein echtes neuköllner oper – Dream Team zusammengestellt: Unter „Wunder“Regisseur Bernd Mottl sowie unter der musikalischen Leitung von Hans-Peter Kirchberg spielt, choreographiert von Nicola Wendt, „Wunderstar“ Christine Rothacker mit ihren „Wunderpartnern“ Gerd Lukas Storzer und Guido Schmitt, Nicole Roeßler kehrt nach ihrer phänomenalen „Helena“ in SommerNachtTraum an die neuköllner oper zurück, aus der letztjährigen Assassins– Produktion sind Saskia Huppert und Bühnenbildner Jürgen Kirner mit dabei, und als Neuzugang begrüßen wir ganz herzlich Nicole von Graevenitz (Kostüme) sowie Yara Blümel und Kay Rode.

Machen Sie sich zwei gemütliche Vorweihnachtsstunden und gönnen Sie sich unseren Elternabend. Sie werden froh sein, dass es nicht ihr eigener ist.

Regie: Bernd Mottl
Musikalische Leitung: Hans-Peter Kirchberg
Choreographie: Nicola Wendt
Bühnenbild: Jürgen Kirner
Kostümbild: Nicole von Graevenitz
Mit: Yara Blümel, Saskia Huppert, Kay Rode, Nicole Roeßler, Christine Rothacker, Guido Schmitt, Gerd Lukas Storzer

KOMMENTARE