DIE AKTE CARMEN.

Oper von Bizet in einer Fassung von David Mouchtar-Samorai und Bernhard Glocksin.

Premiere 22. Januar 2015

Wiederaufnahme 22. August 2015

Im Feuer der Gefühle

José begehrt Carmen, verlässt seinen Beruf, seine Welt, wird „für sie“ illegal. Denn Carmen ist schön, eine Fremde, ohne gültige Papiere. José folgt Carmen und – tötet sie. Wie keine andere erzählt die bekannteste Oper der Welt von der größten und gefährlichsten Kraft im Menschen. Aus Begehren wird besitzen, und was sich nicht besitzen lässt, zerstört. „Es ist nicht meine Schuld. Die Zigeuner haben sie so erzogen,“ sagt José in der Novelle von Prosper Mérimée, die der Oper zugrunde liegt.

Vielleicht wird also in CARMEN nicht nur die fremde und eigen-willige Frau vernichtet, sondern auch das Fremde schlechthin, das (wie die Menschen um Carmen) sich nicht genügend gleichmachen, anpassen und unterordnen lässt.
Erstaunlich auch, wie direkt dieser Klassiker vom Leben unter der Krise erzählt: ein Beamter wird durch „Liebe“ zum Verbrecher unter Leuten,denen man sonst doch das Verbrechen zuschreibt – „Zigeuner“ und „Schmuggler“ (in der Sprache Bizets).

Heute stehen noch immer Roma und Sinti unter Generalverdacht, sie kommen nun aus dem Schattenreich Europas, Ländern wie Rumänien und Bulgarien. In Berlin leben darüber hinaus geschätzte 50.000 Menschen jedweder Herkunft ohne Papiere, illegal. Und Tausende von Flüchtlingen – es ist an uns, zu ihnen ein richtiges Verhältnis zu finden. Sicher: weder die originale Oper noch unsere Inszenierung werden solches leisten. Doch wir können durchscheinen lassen, dass im Bauch des Vulkans der Leidenschaften das viel größere, das soziale Drama liegt.
Inszenierung: David Mouchtar-Samorai
Arrangement: Bijan Azadian
Textbuch, Dramaturgie: Bernhard Glocksin
Musik. Ltg: Hans-Peter Kirchberg
Bühne: Heinz Hauser
Kostüme: Urte Eicker
Video: Vincent Stefan

Mit: Sarah Behrendt, Amélie Saadia, Felix Bruder, Farrah El Dibany, Robert Elibay-Hartog, Lars Feistkorn, Johannes Grau, Mirjam Miesterfeldt, Richard Neugebauer, Juliette Vargas, Anna Warnecke, Elpiniki Zervou sowie Danilo Andreas Sepulveda Cofre, David Garcia Garcia, Dennis Ginzburg, Malik Smith, Ilka Sehnert, Stephan Bielinski

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