DER FALL DES HAUSES USHER.

Opernfragment von Claude Debussy in einer Fassung von Michael v. zur Mühlen.

Premiere 21.04. 2005

Ein Mann hat sich vom Leben abgewendet. Das Beunruhigende: er ist jung, intelligent und mit allem ausgestattet was er für ein erfüllendes Leben benötigt. Aber er hat sich verloren…
Roderick Usher hat sich nach dem Tod der Eltern in sein Geburtshaus zurückgezogen. Er nistet sich in dem erinnerungsbehafteten Gebäude ein, zieht sich von der Welt zurück, die ihn schon lange anekelt und langweilt und doch gefangen hält mit ihren Bildern und Berichten von Krieg, Zerstörung und Leid. Reale und fiktive Bilder aus seiner Kindheit, Erinnerungen an seine Schwester, mit der ihn nicht benennbare Schuld verbindet und die Geschichte der Familie brechen in ihm unbändig hervor – er versinkt in seiner Furcht, kann nicht mehr vergessen. Das gedankliche Erbe wird zur erdrückenden Last. Denn wer nicht selektiert aus dem Fundus des Gedächtnisses, erstickt und die Identität droht sich aufzulösen. Ein Arzt beobachtet diesen Vorgang um Roderick und dessen Schwester Madeline scheinbar tatenlos. Doch an der Schwelle zum Wahnsinn ruft Roderick verzweifelt einen alten Jugendfreund zu Hilfe. „Wieviel muss man vergessen, um weiterleben zu können“ fragen sie sich, und machen sich auf die Suche nach einem aktiven Standpunkt zur eigenen und kollektiven Geschichte.

Rund um das unvollendete Opernfragment La chute de la maison Usher von Claude Debussy nach der wohlbekannten Erzählung aus E.A. Poes Hand erzählen wir eine Geschichte über den Verfall eines Hauses, einer Familie, einer Generation. Es ist gleichzeitig die Geschichte von innerer Verzweiflung und dem Wunsch nach einem glücklichen Leben.
Das als Particell vorliegende Stück wird eigens für die Inszenierung eingerichtet und für das vierköpfige Sängerensemble arrangiert. In unserer Version werden die Brüche des Fragments nicht geglättet, sondern sein zersplitterter Charakter als Abbild der komplexen Weltwahrnehmung unserer Zeit begriffen, in der Biographien und Erfahrungen längst nicht mehr kontinuierlich ablaufen. Zu dem zentralen Material treten weitere Textebenen von E.A. Poe und musikalisches Material vom Pop-Song bis zur experimentellen Musik, die einzelnen Teile werden in ein Puzzle montiert.

Wie unter einem Brennglas ziehen wir auf den ersten Blick zeitlich weit auseinander liegende Materialien zusammen, und stellen Verbindungslinien und Bezüge her. Das Erzählen selbst wird zu einem Vorgang des Erinnerns…

Szenario und Inszenierung: Michael von zur Mühlen
Musikalische Einrichtung und Leitung: stefanpaul
Dramaturgie: Bernhard Glocksin
Ausstattung: Sebastian Hannak
Mit: Andrea Chudak, Lars Grünwoldt, Hubert Wild, Benedikt S. Zeitner

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