DAS SCHWARZE WASSER.

Musiktheater von Vivan und Ketan Bhatti nach dem Schauspiel von Roland Schimmelpfennig.
Fassung: Michael Höppner.

Uraufführung 21. Januar

Ein Sommernachtstraum mit Folgen: deutsche und deutschtürkische Jugendliche treffen nachts in einem Freibad, in das sie eingestiegen sind, unerwartet aufeinander. Sterne stehen über dem Wasser, aus anfänglicher Fremdheit und Konkurrenz wird Faszination.
Gemeinsam durchstreifen sie ihre Stadt und feiern sich und das Leben. Grenzenlos. Unwirklich. Die ganze Zukunft noch vor sich. Alles scheint möglich in dieser Nacht… Aber das ist zwanzig Jahre her. Damals verliebten sich Frank und Leyla, wurden ein Paar und gingen doch getrennte Wege: Er, der deutsche Ministersohn, wird selbst Politiker, sie, die Tochter türkischer Einwanderer, bleibt an der Kasse im Supermarkt. Und jetzt, an einem nasskalten Novemberabend, kurz vor Franks Vereidigung zum Innenminister, treffen sich die beiden zufällig wieder und gehen auf einen Sprung in Leylas Wohnung. Anschließend erleidet Frank einen Zusammenbruch…

Vivan und Ketan Bhatti haben Schimmelpfennigs Stück über Sehnsucht und Scheitern von Träumen, Erwartungen und Lebenswegen in ein Musiktheater für sechs Sänger und Kammerensemble verwandelt, in eine facettenreiche, stimmungsvolle Komposition, die die unterschiedlichen Orte, Zeitsprünge und Situationen „hörbar“ macht.
Durchpulst von Rhythmen populärer Musik, unter Verwendung verschiedenartiger musikalischer Formen vom oratorischen Chor und rezitativischen Passagen über den Song bis hin zur Arie sowie unter Einbeziehung von Ausdrucksmitteln der experimentellen Musikentsteht so ein episches Musiktheater, das den Jargon seiner großen Vorbilder (u. a. Kurt Weill) in unsere Gegenwart übersetzt.

Schimmelpfennigs Akteure erzählen von einer so berührenden wie traurigen (Liebes-)Geschichte. Sind mit Frank und Leyla stellvertretend wir alle, Deutsche und Zugewanderte, gemeint? Leben wir, nach all den Jahren, aller Anziehung und Unterschiedlichkeit eingedenk, noch immer in getrennten Welten? Und wäre die Diskussion einer solchen Frage vor dem Hintergrund des aktuellen Dramas der nach Berlin und Deutschland Geflüchteten nicht notwendiger denn je?

Regisseur Michael Höppner verlegt die Ermittlung der Vorfälle im Stück in die Redaktion einer deutschen Zeitung: sechs junge Journalist*innen, durchaus mit »Migrationshintergrund«, versuchen, die Fakten und Vorgänge zu ermitteln, die zum Zusammenbruch des jungen Starpolitikers Frank führten. Womit auch zu fragen ist: wie stark ist unsere Wahrnehmung des »Integrations-Themas« durch die Medien gelenkt? Und kann es sein, dass ein vermutlicher Skandal um einen designierten deutschen Minister wichtiger wird als die Themen von Chancen und Gleichheit?
Regie: Michael Höppner | Musikalische Leitung: Yonatan Cohen | Ausstattung: Judith Philipp | Dramaturgie: Bernhard Glocksin
Mit: Hrund Ósk Árnadóttir, Robert Elibay-Hartog, Marielou Jacquard, Magnús Hallur Jónsson, Katarina Morfa, Angelos Samartzis

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