BRACKE.

Szenisches Oratorium nach dem gleichnamigen Roman von Klabund von Winfried Radeke (Musik) und Claudia Strauß (Libretto)
Koproduktion der Chorwerkstatt Berlin, der Evang. Kirchengemeinde Nikodemus sowie der Neuköllner Oper.

Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds Berlin.

Uraufführung 20.03. 2003

Einen Eulenspiegel hat auch Brandenburg vorzuweisen: Die historische Figur des Schlossers und Büchsenmachers Hans Clauert, der im 16. Jahrhundert in der kleinen märkischen Stadt Trebbin lebte. Durch seinen Witz und seine Klugheit brachte er es bis zum Ratsherrn und soll auch den brandenburgischen Kurfürsten zugunsten der Trebbiner zum Narren gehalten haben. Clauert wurde zum Vorbild für den Helden des 1918 erschienenen Episodenromans Bracke von Klabund (1890-1928). Klabund, der seine Werke in schneller Folge „hervorkarnickelte“ – wie sich sein Freund Gottfried Benn ausdrückte – offenbart im Bracke seine Wende von ursprünglicher Kriegsbegeisterung zu einer pazifistischen Grundhaltung.

 

Alle Strömungen seiner Zeit: expressionistische Naturmystik, christliche Heilserwartung, Ideen einer anarchistischen Gesellschaft ohne Machtausübung sowie die Grundannahme, die Gesellschaft durch Erziehung ändern zu können, spiegeln sich in Klabunds autobiographisch gefärbtem Roman.
Bracke – in der neuen Fassung dreifach besetzt als Kind, erwachsener Mann und Greis – kommentiert und spielt sein eigenes Leben aus der Rückschau. Brackes Lebensweg, von Wundern begleitet und von den Neun Musen überwacht, führt ihn, der Gewalt unbedingt ablehnt, ins Zentrum der Macht.

Als Hofnarr des Kurfürsten hält er diesem den Spiegel vor, versucht ihn durch Eulenspiegeleien zu läutern und zur Aufgabe seines absoluten Herrschaftsanspruchs zu bewegen.
In Bracke begegnen wir einem Menschen, der seinen Überzeugungen gerecht werden wollte in einer Zeit, deren strukturelle Brutalität und Überlebtheit er als fast einziger empfunden hat. Diese Parabel vom Umgang mit Macht, eigenem Wahrheitsanspruch und den damit verbundenen Enttäuschungen ist zeitlos und wächst über den historischen Rahmen, in den sie Klabund gestellt hat, hinaus.

 

Über einhundert Mitwirkende setzen das musikalische Grundgerüst aus zwölf korrespondierenden kadenzähnlichen Harmonien in Szene: Ein kleines, fünfköpfiges Ensemble aus Englisch Horn, Akkordeon, Harfe, Klavier (Orgel/Cembalo) und Vibraphon (mit Schlagzeug) bildet musikalisch die Sphäre des Protagonisten, während das große Orchester die Gegenwelt Brackes aufbaut. Der große Chor ist in allen Szenen maßgeblich wirkende „Person“ (nämlich als das Volk) und gleichzeitig als sich bewegende„Bühnenlandschaft“ in den Welten Brackes (Kleinstadt, Macht, Krieg, Tod) präsent, in denen die Solisten scheinbar die Fäden in ihren Händen halten.

Musikalische Leitung: Winfried Radeke/Uri Rom
Regie: Tom Quaas
Bühne: Amparo Kuhlmann
Kostüme: Sigrid Herfurth
Bracke jung: Michael Putschli
Bracke mittel: Andreas Jocksch
Bracke alt: Robert Wittmers
Kurfürst: Tobias Müller-Kopp
Kurfürstin: Constanze Morelle
Grieta: Linda Naumann
Conte: Michael Hoffmann
Hauptmann: Victor Petitjean
Vater: Welf-Eckart Wiencke
Mutter: Use Rainer
Hure: Nicola Schößler
Abdecker: Clemens Deindl
Mörder: Lothar Krompholz
Henker: Ulrich Lenk
Muse 1: Gabi Fink
Muse 2: Ingrid Meyer
Muse 3: Karin Müller
Muse 4: Monika Wanjura
Muse 5: Irmela Watzel
Muse 6: Christine Weißert
Muse 7: Inge Gerstberger
Muse 8: Renate Wapler
Muse 9: Vivian Metzger

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