ANGELA. EINE NATIONALOPER

Von Frank Schwemmer (Musik) und Michael Frowin (Text) nach Motiven aus dem Buch Das Mädchen und die Macht von Evelyn Roll.

Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds.

Uraufführung 18.08. 2002

Keine zwanzig Meter unter dem Zentrum der Macht der Berliner Republik findet sich im unvollendeten U-Bahnhof Reichstag zwischen dem Kanzleramt und dem Bundestag eine zeichensetzende Ruine, deren Wände wiedererstarktes Selbstbewusstsein und stilles Scheitern gleichermaßen widerspiegeln: Eine ausbetonierte Hohlform für eine aufregende musikalische Zeitreise in die jüngste Vergangenheit. Hundert Schritte nur bis zu dem Platz, an dem sich 1989 der Eiserne Vorhang geräuschvoll hob.

Von der Geschichte ins Rampenlicht der zunehmend westdeutsch geprägten Politbühne geschubst fand sich eine Frau, die bis zu diesem Zeitpunkt als Physikerin in Adlershof einen politischen Dornröschenschlaf geschlafen hatte. Erst spät als Novemberrevolutionärin demokratisch aufgebrochen bis zu ihrer Wahl zur ersten Bundesvorsitzenden der CDU im Jahr 2000 legte Angela Merkel eine beispiellose Politikkarriere hin.

Angela Merkel: ein Solitär in der Parteienführung nach der Wiedervereinigung. Inmitten technokratisch geplanter Politkarrieren agiert und wirkt sie seltsam fremd und unberechenbar im Wechselspiel offensichtlicher Verweigerung und bewusstloser Übernahme politischer Spielregeln. Ein idealer Spiegel für die Funktionsweisen der Macht. Und der Ort, an dem sich die Widersprüche zwischen den Resten aufklärerischen Idealismus‘ und den Haken und Ösen unseres delegierten Parlamentarismus‘ offenbaren. Erstmalig für die Neuköllner Oper schrieb Michael Frowin ein Libretto, das in realitätsnahen wie gleichzeitig fiktiven Bildern Stationen der Karriere von Angela Merkel nachzeichnet und kaum vergangene Geschichte auf die Bühne gehoben in einem überraschend anderen Licht erscheinen lässt. Frank Schwemmer komponierte dazu eine Musik, die – bei aller Modernität – politisches Denken und Handeln sinnlich erfahrbar machen möchte, die den dramatischen Verlauf nicht losgelöst vom Text ernst nimmt und die tradierte Opernform nicht leugnet, sondern das musikalisch auslotet, was der Neuköllner Oper mit dieser Produktion besonders am Herzen lag: Eine moderne politische Oper, die nicht einen fernen Mythos zum xten Mal aktuell auflädt, sondern eine vertraute Form ausgießt mit Bildern, die wir erst gestern im Fernsehen gesehen haben.

Musikalische Leitung:
Hans-Peter Kirchberg
Uri Rom
Regie: Robert Lehmeier
Dramaturgie: Nils Steinkrauss
Bühnenbild: Tom Musch
Kostümbild: Markus Meyer

Mit: Michael Bielefeldt, Joachim Fuchs, Regine Gebhardt, Dieter Goffing, Christian Grygas, Kathrin Unger, sowie dem Chor der Journalisten (Sopran: Lara Milagro, Anna Steigenberger; Alt: Susanne Feiten, Irene Wohlfahrt; Tenor: Jens Günther, Philip Lüsebrink; Bass: Frank Bauszus, Tobias Heinrich)

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